Art Photographie
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Mit Licht gezeichnete Schattenwelten

Grzegorz Marek Sikoras Luminogramme wirken wie Traumbilder

Figurenschemen oszillieren zwischen Licht- und Schattenwelten, verschmelzen zu einer düster verschwommenen amorphen Masse oder schweben einzeln in Grauzonen einer überirdisch anmutenden Scheinwirklichkeit. "Ich will das Denken visualisieren und abbilden, was man nicht sieht", sagt Grzegorz Marek Sikora. Die zeitlose Welt heißt seine aus elf Luminogrammen bestehende Arbeit.

Als "fotografische Annäherung an das abstrakte Denken" versteht der gebürtige Pole die Bildreihe, mit der er sein Studium als Foto-Designer am Institut für Bildende Künste in Bochum abschloss. Ohne Kamera "nach einer alten Technik" sind die Blätter auf lichtempfindlichem Fotopapier entstanden. Scherenschnitt-Figuren, die Sikora sorgfältig nach einer Vorzeichnung inszeniert und mit verschiedenen Lichtquellen von der Kerze bis zum Scheinwerfer beleuchtet hat, spielen die Hauptrolle in den "mit Licht gezeichneten" Arbeiten, deren Motive sich bei aller Abstraktion am Figürlichen orientieren und nicht ins Informelle abgleiten. An Traumbilder lassen einzelne Szenen denken, woanders scheinen Engelswesen einer Wolke aus Licht zu entsteigen.

Anders als bei fotografischen Aufnahmen, handelt es sich bei Sikoras Luminogrammen um Unikate. "Für mich ist es reizvoll, dass ich die Motive nicht reproduzieren und die Blätter nicht nachträglich bearbeiten kann. Es sind absolute Endprodukte", so der Künstler, der seit 2002 in Kiel lebt, wo er freiberuflich auch als Musiker tätig ist. Wie eine Komposition über das Leben eines Menschen liest sich auch der metaphysisch anmutende Bilderzyklus, den Grzegorz Marek Sikora "mit Licht, Händen und Gedanken" gestaltet hat.



Quelle: Sabine Tholund; Kieler Nachrichten; Mittwoch, 31. August 2005; Nr. 203, S. 30